Hast du es schon mal nachhaltig probiert?

Das Schlagwort lautet Selbstbestimmung.

Kant – An dem kommt man irgendwie wieder mal nicht vorbei. Autor: Dipsey; gemeinfrei

In unserer Welt passieren so viele Dinge, von denen wir denken, dass wir darauf keinen Einfluss haben:

  • Was habe ich schon mit der Lebenssituation einer indischen Näherin zu tun?
  • Was habe ich mit der Waffenindustrie am Hut?
  • Was habe ich mit der Verschmutzung der Weltmeere zu schaffen?

Es gibt unzählige solcher Fragen, bei der man spontan antworten möchte: „Natürlich nichts! Ich verhalte mich doch verantwortungsvoll, ich trenne meinen Müll, Waffen lehne ich natürlich ab und ich kaufe ja auch nicht die allerbilligsten Sachen, sondern Markenklamotten.“

Allerdings liegen die Dinge oft anders, als man denkt. Hier ein paar kleine Denkanregungen dazu.

Wenn ich es sehr knapp zusammenfassen sollte, würde ich sagen: Alles hat mit Geld und der Marktmacht zu tun, die jeder von uns hat. Jede einzelne Entscheidung, und sei sie noch so klein, hat einen direkten Einfluss darauf, wie es in der Welt zugeht.

Beispiel gefällig? Gut.

Jeder von uns geht einkaufen. Am Ende des Prozesses hört man manchmal noch eine Frage: „Möchten Sie eine Tüte?“ Noch öfter aber werden die Sachen, die man gekauft hat, ungefragt in eine Tüte verpackt. Natürlich nicht in eine nachhaltige Tüte, sondern in einer dieser billigen Plastiktüten.

Ja, die Herstellung solcher Tüten ist billig. Sie kosten wenige Cent. Aber was steckt dahinter? Dahinter steckt Erdöl. Das Plastik muss hergestellt werden, dazu muss Erdöl gefördert, transportiert, verarbeitet, transportiert werden. Am Ende wird die Tüte bestenfalls verbrannt (von den Schadstoffen, die dabei entstehen, zu schweigen), im ungünstigsten Falle landet sie in einem dieser gewaltigen Strudel auf den Weltmeeren (vgl. hier), die inzwischen so groß sind wie ganze Länder oder Kontinente (vgl. hier und hier). In den Ozeanen wird die Tüte zerkleinert, der Abbau aber dauert Jahrhunderte: Jahrhunderte, in denen Tiere das Mikroplastik aufnehmen, usw. – letztlich landet das ganze über Umwegen wieder auf unserem Teller.

Nur oberflächlich schön. Autor: epsos.de; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Was also ist die Lösung? Ja, eben keine Plastiktüte. Es gibt langlebige Tüten aus Biobaumwolle, deren Ökobilanz im Einzelnen sicher auch hinterfragbar ist, aber eins steht fest: am Ende ist das Erzeugnis im schlimmsten Falle nach ein paar Jahren verrottet – Baumwolle ist schließlich ein Naturprodukt.

Entscheidend ist natürlich nicht eine einzige Tüte. Aber die Masse machts. Ein Bundesbürger verbraucht im Schnitt etwa 70 Tüten (vgl. etwa hier). 70 Tüten, 80 Millionen Bundesbürger, nein, ich rechne das jetzt nicht aus und in Öl um: jeder kann sich vorstellen, dass da eine Menge zusammenkommt (wer es genauer wissen will, in diesem Film wird es genau genommen).

So selbstverständlich für mich inzwischen der weitgehende Verzicht auf Plastiktüten ist, so selbstverständlich ist auch die Benutzung einer Brotbox aus Edelstahl (Werbelink hier: EcoBrotbox) oder einer Trinkflasche (Werbelink hier: Kivanta; zu Problemen mit den PET-Flaschen hier). Aber das reicht mir nicht. Ich möchte weitergehen und, wo es geht, ganz auf Plastik verzichten. Das hat nicht nur den Grund, dass ich die Umwelt schonen möchte, sondern auch einen ganz egoistischen. In vielen Plastikprodukten sind Stoffe enthalten, die als mindestens bedenklich gelten. Der Clou der Industrie ist, dass hier immer von Tageshöchstmengen gesprochen wird. Niemand aber rechnet zusammen, was da so zusammenkommt im Laufe eines Tages, sondern es wird immer bezogen auf das Produkt gerechnet.

Einen sehenswerten Filmbeitrag dazu auf YouTube. Die Stichworte sind dazu unter anderem Phthalate und Bisphenol A. Übrigens auch ein Grund, warum Tupperware von mir nach und nach verbannt wird…

Auch und gerade in Kosmetikprodukten werden erdölbasierte Stoffe verwendet. Auch wenn es vielleicht anfangs mühsam ist, es gibt fast zu allem Alternativen. Statt dem üblichen Duschgel nutze ich etwa die Körperduschseifen von Savion (Werbung!), die die Haut überhaupt nicht austrocknen, sondern durch Rückfettung pflegen.

Natürliche Seife. Autor: Malene Thyssen; Lizenz: Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“

Wenn du es bis hierher geschafft hast, wirst du dir denken: oh Mann, Selbstbestimmung und Körperduschseifen? Ist das nicht ein wenig absurd?

Nein, ist es nicht. Es soll ein Beispiel zeigen, wie man durch eine bewusste Auswahl an Produkten – und täglich wählen wir zigfach, ja hundertfach Produkte aus – dazu beitragen kann, die Industrie zu zwingen, anders zu produzieren. Denn die Industrie ist dem Markt unterworfen. Wenn ich statt den plastikverpackten Duschgelen mit Erdöl meine biozertifizierte, natürliche Körperseife kaufe, stellt der Hersteller der Duschgele fest, dass er weniger verkauft. Er wird also nach Alternativen suchen und mehr marktkonforme Produkte herstellen. Zugegeben: aller Anfang ist schwer, und der Trend ist vielleicht noch nicht massentauglich. Aber darum geht es nicht. Wenn man nicht beginnt, verändert sich nie etwas. Und es ist auch nicht so, dass man alleine wäre. Wenn man nur mal googelt – ach, nein, meine Empfehlung lautet da StartPage.com – nach dem Begriff „Plastikfrei“, wird man sehen, dass sich eine ganze Bewegung von Menschen in diese Richtung gebildet hat. Es gibt zahlreiche interessante Blogs, Bücher, Internet-Shops, die genau diese Idee verfolgen.

Themenwechsel. Wir waren bei der Marktmacht. Eines der wichtigsten Dinge scheint in unserer Kultur das Geld zu sein. Das hat man, das trägt man zu seiner Bank, die es sicher für einen verwahrt.

If we do not act, we are acted upon. Autor: Roland zh; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Sicher verwahrt? Etwa die gute alte Sparkasse, bei der schon die Eltern das Geld hingebracht haben? Die wird es doch sicher verwahren und damit gutes tun, oder?

Nun, leider stimmt das nicht. Zwar ist es richtig, dass diese lokalen Banken oft noch etwas für die Region tun oder: zu tun vorgeben, der Großteil der Gewinne aber geht andere Wege, und Gewinne müssen auch erst erwirtschaftet werden. Ein knapper Artikel hierzu findet sich hier, darin auch der Link zu einem wirklich sehenswerten Film, der darüber aufklärt, was Sparkassen noch so alles mit dem Geld anstellen: hier „Sparkassen in der Krise“).

Was passiert mit dem Geld? Nun, viele Banken investieren das Geld dort, wo es für sie natürlich lukrative Gewinne verspricht. Das kann vieles Nützliches sein, aber genauso gut kann das Geld in Rüstungskonzernen landen (siehe etwa hier), in Atomkraftwerken, usw. – und wir wissen es nicht einmal genau. Letztlich ist unser Geld, also wir, dafür verantwortlich, dass bestimmte Projekte finanziert werden oder eben nicht finanziert werden.

Und eine Lösung? Ja, die gibt es. Es gibt Banken, die offenlegen, was mit dem Geld passiert. Sie nennen sich alternative oder grüne Banken. Der Haken? Ja, es gibt einen: ein Girokonto dort kostet für den Normalbürger Gebühren, im Falle meiner Hausbank (der – Werbung! – GLS Gemeinschaftsbank) zahle ich 2 Euro für das Girokonto im Monat und 15 Euro Jahresgebühr für die Bankkarte.

Was bekomme ich aber dafür? Ich weiß, was mit meinem Geld passiert. Die Bank veröffentlicht einen detaillierten Bericht darüber („Kreditvergabe“), wohin Kredite vergeben werden, und erläutert zahlreiche Beispiele. So weiß ich, dass mein Geld für soziale Zwecke, die Energiewende, usw. genutzt wird. Für junge Kunden (bis 27) ist das Konto übrigens auch kostenlos.

Bleiben wir noch etwas beim Thema Geld: wie sollte ich Geld anlegen? In Zeiten von Nullzinspolitik ist das klassische Tagesgeldkonto eher „out“, und andere Anlageformen sind gefragt.

Zunächst einmal sollte man nicht und niemals alles Geld, das man hat, in eine Anlageform stecken. Man sollte diversifizieren, also streuen. Das kann etwa sein: etwas Geld aufs Tagesgeldkonto, Aktien, Fonds, Vermögenswerte.

Klingt alles noch sehr weit weg, oder? Sollte es aber nicht. Heutzutage sollte man frühzeitig damit beginnen, Geld, und seien es auch nur Kleinbeträge, anzulegen. In einem schlauen Buch habe ich einmal gelesen: Ein Zehntel des Geldes, das du zur freien Verfügung hast, sollst du sparen. Mit 90% kannst du immer noch so gut wie verlustfrei das tun, was du möchtest. Und 10% werden angelegt. Der Vorteil ist, gerade bei jungen Menschen, die ungeheuere Zeit, die zur Verfügung steht. Da kommt einiges zusammen, auch aus Kleinbeträgen.

Nun zu konkreten Empfehlungen. Natürlich sollte man nicht blindlings sein Geld nehmen, eine Aktie kaufen (dafür braucht man ein Depot bei einer Bank) und hoffen, dass die Aktie steigt. Man muss sich vorher schon informieren, was natürlich nicht jedermanns Geschmack ist. Aber: ohne Information wird man meist über den Tisch gezogen. Von Bankberatern, die eher zu Gunsten der Bank beraten. Entweder nimmt man sich also etwas Zeit, oder man investiert Geld und sucht sich unabhängige Honorarberater. Das lohnt sich aber erst ab einer gewissen Summe.

Etwas einfacher ist es, wenn man daneben auch noch schaut, was für Unternehmen überhaupt in Frage kommen. Rüstungskonzerne, Atomkonzerne, Tabak, Kinderarbeit, all das sind Dinge, die man natürlich – so sehe ich es zumindest – nicht unterstützen will. Aber es gibt so viel mehr Konzerne, die problematisch sind.

Glücklicherweise gibt es zahlreiche Organisationen (NGOs), die auch einen Blick auf all diese Konzerne legen.

Meine Lösung sieht wie folgt aus: ich habe einen simplen Sparplan (den gibt es ab 25 Euro im Monat) auf einen Nachhaltigkeitsfonds (Werbung! – Ökoworld Ökovision Classic C). Nicht jeder „Nachhaltigkeitsfonds“ ist auch genau das, was er verspricht, nämlich nachhaltig zu sein, ökologisch verantwortlich usw.

[Wer sich hier gerade fragt, was überhaupt ein Fonds ist, hier die Kurzversion: ein Fonds investiert in Aktien verschiedener Unternehmen nach bestimmten Anlagekriterien. Meist wird in 50-100 Unternehmen investiert. Genaueres hier: Börsenwissen – Grundlagen; Basiswissen Fonds].

Der Fonds „Ökoworld Ökovision Classic C“ wurde unter anderem von der unabhängigen Verbraucherzentrale Bremen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit für sehr gut befunden (siehe dazu hier und hier). Der Fonds gibt jährlich einen umfangreichen Bericht und Einblick in die investierten Unternehmen, sodass man weiß, wo das eigene Geld steckt, vgl. hier.)

Noch ein Wort zu Fonds/Aktien allgemein. Viele schreckt es ab, dass Wertschwankungen hier möglich sind. Ja, man kann auch Verluste erleiden, aber eigentlich nur, wenn man sich extrem dämlich anstellt und ungeduldig ist. Wer glaubt, dass er 1000 Euro in den Fonds steckt, um zwei Monate später 10% Gewinn einzusammeln, hat im schlimmsten Falle vielleicht eher 20% Verlust gemacht.

Geldanlage ist etwas langfristiges. Man sollte Geld in etwas stecken, von dem man überzeugt ist, und man sollte Geduld haben. Dazu gibt es das sogenannte Renditedreieck. Das zeigt, dass man bei der Anlage eben Zeit braucht, dann ist aber eigentlich immer auch Gewinn herausgekommen, vgl. dazu die jährlichen Durchschnittsrenditen über die letzten Jahre hier.)

Letztlich ist meine Überzeugung, dass es besser ist, in gute Unternehmen zu investieren, als das Geld ungenutzt auf der Bank zu lagern (auch wenn es eine gute Bank ist). Daher investiere ich auch in Aktien einzelner Unternehmen, das ist aber mit etwas mehr Risiko als Fonds verbunden, die eine deutlich geringere Schwankung haben). Und welche Unternehmen? Nun, da orientiere ich mich an der Liste meines Fonds aus dem Jahresbericht (Link oben).

Noch ein kleiner Blick weg vom Geld. Wenn es um Selbstbestimmung geht, ist im Internetzeitalter auch die informationelle Selbstbestimmung grundlegend. Das ist ein Grund, warum ich mir dreimal überlege, was ich auf Facebook poste, warum ich lieber startpage anstatt zu googeln, warum ich eine kritische Einstellung zur Vorratsdatenspeicherung habe usw. – aber das alles ist ein weites Feld.

Grundsätzlich schließt Mündigkeit das kritische Reflektieren von Dingen ein, und eigenständiges Denken. Daneben gibt es m.E. auch Organisationen und Experten, denen man eher trauen sollte als anderen. Auch wenn keine dieser Organisationen perfekt ist: es ist mir wesentlich lieber, den Megakonzernen eher zu misstrauen, und kleinere Initiativen eher zu bevorzugen (z.B. Genossenschaften). Monopole und Oligopole zentrieren Macht. Bei kleineren Iniativen ist die Macht eher dezentral.

Grundsätzlich möchte ich niemanden zu etwas erziehen, sondern Anregungen geben. Anregungen vor allem zum Nachdenken. Zum Beispiel zum Thema Essen. Für die Fleischliebhaber unter euch: da müsst ihr jetzt durch. Hier eine Überblicksseite. Ganz kurz zusammengefasst: ich versuche, wo es geht, auf Fleisch zu verzichten. Nicht nur wegen des Tierwohls (da könnte man auch auf Biofleisch zurückgreifen), sondern auch wegen der Ökobilanz (vgl. hier). Also, legt doch ab und an mal einen VeggieDay ein. Es gibt so viele tolle vegetarische oder vegane Rezepte! (Beispiel).

Wenn wir gerade noch beim Essen sind: (weitgehend) plastikfrei einkaufen ist auch lokal möglich: einfach mal auf die Industrienahrung verzichten, frische Sachen unverpackt einkaufen und kochen. Ein Beispiel hierfür ist der Laden Lose in der Dresdner Neustadt, in dem man ohne Verpackungen auskommt. Und es funktioniert!

Ein anderes Beispiel ist Kleidung. Hier gibt es das sogenannte GOTS-Siegel, das ein Mindestmaß an Ökologie garantiert. In Dresden gibt es auch einen kleinen, aber schönen Laden, wo es solche Kleidung zu kaufen gibt (Werbung: Populi).

 

Freiheit ist ein Gut, das ich sehr schätze. Mir die Freiheit zu nehmen, abseits vom Mainstream Produkte zu kaufen und zu nutzen, bei denen ich ein gutes Gefühl habe, ist eine Bereicherung für mich. Dabei sehe ich nichts, worauf ich verzichten müsste. Eher kommt es mir so vor, als sei ich durch einige der Dinge, die ich nutze, noch bereichert und auch von bestimmten unschönen Dingen befreit. In diesem Sinne ermuntere ich dich, dich auch auf den Weg zu machen. Ein paar meiner Pfade habe ich dir hier gezeichnet. Finde deine eigenen!

Im Folgenden noch eine bunte Liste von Webseiten, die mal einen Blick lohnen – querfeldbeet.

Hier noch Links zu Einzelprodukten, die nach meiner Meinung im Sinne der oben genannten Überlegungen gemacht wurden:

  • Schokolade: GEPA-Schokoladen: Bio, Fairtrade; die Folie (vorwiegend aus Holzzellstoff) ist kompostierbar, vgl. hier

 

 

 

 

Im Anfang war die Tat!

Im Anfang war die Tat! (Goethe: Faust I.)

Faust

Etwas Neues soll entstehen, so gehen wir mit Tatendrang voran! Oder, um Nietzsche (Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft.) zu bemühen:

Seht das Kind, umgrunzt von Schweinen,
Hülflos, mit verkümmerten Zeh’n!
Weinen kann es, nichts als weinen –
Lernt es jemals stehn und gehn?
Unverzagt! Bald, sollt‘ ich meinen,
Könnt das Kind ihr tanzen sehn!
Steht es erst auf beiden Beinen,
Wird’s auch auf dem Kopfe stehn.